Mehrdeutigkeit: Beispiel "Fußball"

 

Fußball wird in unserer Bewegungs- und Spielkultur auf unterschiedliche Weise thematisch. Mitunter ist in der sportjournalistischen Fachsprache sogar von verschiedenen Fußballphilosophien die Rede. D.h. jeder Fußballexperte verfügt über seine Sicht und Vorstellung des "guten" bzw. "rechten" Fußballspielens und arbeitet daran, diese Vorstellung auf dem Spielfeld wirklich werden zu lassen. Fußball wird aber nicht nur im Profisport auf verschiedene Weisen thematisch, sondern auch dort, wo Kinder mit ihren Freunden, Eltern oder Lehrern Fußball spielen. Ein Ligaspiel am Samstagnachmittag unterscheidet sich deshalb allein schon wegen des verbindlichen Regelwerks und der besonderen Bedeutung des "Gewinnen-wollens" vom Fußball-kicken auf dem Schulhof oder Bolzplatz. Auch der Straßenfußball wird auf andere Weise für die Kinder thematisch als der weitgehend passive Fernsehfußball und die anschließenden Gespräche und durch ihn ausgelösten Feierlichkeiten.

 

Wenn also Lehrer Fußball oder einen anderen Inhalt zum Thema ihres Unterrichts machen möchten, gehen sie in der Vor- und Nachbereitung weit über die Klärung der Inhaltsfrage hinaus. Fußball ist nicht per se ein Unterrichtsthema, sondern wird unter den Bedingungen der Schule – wie jeder andere Inhalt auch – von den beteiligten Schülern und dem Lehrer methodisch zum Thema gemacht. Das Unterrichtsthema Fußball ist also das Ergebnis eines relationalen, didaktischen Prozesses. Es konstituiert sich in einem Spannungsfeld zwischen der Beteiligung von Lehrer, Schülern und den Einflüssen, die von der Institution (hier: Schule) ausgehen.