Elisabeth Kolb, M.A.

Ludwig Maximilians Universität München

Englischunterricht: Relevanz von Kultur und Literatur für die Themenkonstitution

 

In der Englischdidaktik besteht zwar weitgehende Einigkeit über die drei Inhaltsbereiche des Unterrichtsfaches Englisch: Sprache, Kultur und Literatur. Während jedoch die Beschäftigung mit der Zielsprache selbstverständlich ist, sind die beiden anderen Inhaltsbereiche Kontroversen ausgesetzt und müssen gesondert begründet werden. Oft werden beide nicht als eigenständige Zielbereiche des Faches gesehen, sondern eher als unter- oder nebengeordnete Aspekte des Spracherwerbs. Gleichzeitig stehen die drei Inhaltsbereiche aber auch in gegenseitigem Zusammenhang. Im Kontext der gegenwärtigen Fokussierung auf messbare Kompetenzen müssen Literatur und Kultur ihre Relevanz besonders unter Beweis stellen.

Analysiert wird die Rolle von Kultur in Lehrplänen und Lehrmaterialien für das Fach Englisch in verschiedenen Schulformen. Grundsätzlich sollen Kulturinhalte nicht nur dazu dienen, dass die Lernenden Wissen über die Zielkultur(en) erwerben, sondern auch dass sie interkulturelles Verständnis und Fertigkeiten in der Interaktion entwickeln. Dies spiegelt sich in der Ablösung des Begriffs Landeskunde durch interkulturelles Lernen wider. Wie in den Kulturwissenschaften besteht jedoch auch in der Fremdsprachendidaktik zunehmend Unsicherheit über die Definition des Begriffs 'Kultur' und über seine Nützlichkeit in einer globalisierten Welt. Gerade für den Englischunterricht stellt sich die Frage der kulturellen Verortung, da Englisch als Lingua franca viele (ziel-)kulturelle Bezüge hat. Für das Fach Englisch bedeutet dies konkret, dass zu fragen ist, aus welchen Ziel-, Ausgangs- oder Drittkulturen die Sachinhalte des Faches stammen sollen. Dazu gibt es unterschiedliche Antworten im englischdidaktischen, curricularen und unterrichtspraktischen Diskurs, die überblicksartig dargestellt werden sollen.