Dr. Antje Schneider

Universität Jena

Vom Rätsel zum Problem - Erkenntnisbildende Potentiale triadischer Reflexion



Beobachtungen beginnen oft mit einem Rätsel, d.h. mit der vorreflexiven Feststellung "Hier stimmt etwas nicht". Rätsel sind unvorhersehbar, sie erscheinen als nicht klärbar, sie wirken als Störungen, sie werfen Fragen auf, die ihrerseits auf Antworten drängen. Wie können Antworten gefunden werden; wie kann das anfängliche Rätsel in geordnetes und klärbares Problem gebracht werden? Der Weg führt über Reflexion, die ich - differenztheoretisch fundiert - als triadisches Denken bezeichne. Dazu muss das Rätsel an der Grenze differenter Beobachtungen markiert und als Problem der Beobachtungen erfunden werden. Im Übergang vom Rätsel zum Problem offenbart sich das Potential "triangulierender Erfahrung", die die verstörende Begegnung des Einen mit dem Anderen im Rätsel um eine dritte Dimension erweitert. Das hinzukommende Dritte klärt und ermöglicht neue Ordnung, d.h. es ermöglicht eine erweiterte Sicht auf das anfängliche Rätsel. Für die Vermittlungspraxis entstehen entsprechend Fragen, wie ein Umgang mit dem Unvorhergesehenen - mit Rätseln - angeleitet; wie ein triadisches Denken organisiert und der entscheidende Übergang vom Rätsel zum Problem gestaltet werden kann.