Prof. Dr. Horst Bannwarth

Universität zu Köln

Themenstellung im Fach Biologie

Ohne richtiges Thematisieren kann kein Unterricht zielorientiert und sinnvoll geplant werden. Im Thema drückt sich aus, was der Lehrer plant, vorhat und will. Hierbei sei daran erinnert: Nur ein wollender Lehrer kann ein guter Lehrer sein. Die Entwicklung des Themas ist also die Basis der Unterrichtsplanung. Das Thema gibt aber nicht nur Richtung, Ziel und Sinn der Unterrichtsstunde an, macht also klar, worum es gehen soll, sondern misst den ausgewählten Inhalten auch zugleich Bedeutung und Wichtigkeit bei. Nicht nur für den Unterricht, auch für die Vergabe von Themen für Examensklausuren, Seminararbeiten, Referate und wissenschaftliche Arbeiten müssen Themenstellungen entwickelt werden, die so formuliert sein müssen, dass dadurch ein klarer und unmissverständlicher Auftrag und eine begründete Motivation verbunden ist. Das Verfehlen des Themas wäre immer fatal. Stets ist die Themenwahl das Ergebnis von Entscheidungsprozessen darüber, was ausgewählt und behandelt werden soll und was weggelassen werden kann. Die Folge dieser Entscheidungen stellt einen Entwicklungsprozess dar, der wohl überlegt und verantwortet sein muss. Diese Auswahl der Inhalte sollte immer in Verantwortung mit Blick auf den Adressaten, den Schüler, den Studenten, den Doktoranden, das Fach und die Gesellschaft getroffen werden. Bei Entscheidungsprozessen in Konferenzen und Sitzungen, in denen Beschlüsse gefasst werden, macht die Tagesordnung von vorne herein klar, welche Themen zur Sprache kommen und welche nicht. Auch jeder Politiker, Wissenschaftler, Forscher und Lehrer muss seine Arbeitsgebiete bestimmten Themenfeldern zuordnen. Andernfalls könnte er seine Arbeit weder überschauen noch ordnen. Je präziser er seine Themen fasst, umso größere Fortschritte macht er, umso weiter kommt er und umso erfolgreicher ist er.

Es verwundert immer wieder, dass im Fach Biologie zum Beispiel das Thematisieren zuweilen nicht ernst genug genommen wird. So findet man auf Übungs- und Seminarscheinen als „Themenangabe“ nicht selten Begriffe wie: „Die Ziege“, „Die Kartoffel“ oder „Der Wald“. Ein Thema sollte immer auf das biologische Verständnis und seinen Bezug zum Menschen abzielen. Mit Blick auf das biologische Verständnis ist stets der Zusammenhang von Struktur und Funktion, von Bau und Leistung, von Anatomie und Physiologie im Auge zu behalten und dieser als ein genetisch fixierter in der Evolution bewährter Anpassungsprozess erklärt werden (Gaebert und Bannwarth, 2010). Beispiele für eine angemessene Themenstellung im Fach Biologie wären somit: „Die Ziege als Haus- und Nutztier in Anpassung an ihre Lebensweise und ihre Wechselbeziehung zum Menschen.“ Oder: „Die Kartoffel als Nutzpflanze und Nahrungsmittel im Kontext mit ihren biologisch bedingten Vor- und Nachteilen und ihren besonderen Anpassungen.“ Oder:“ Der Wald als Ökosystem und seine Gefährdung durch menschliches Handeln“.