Prof. Dr. Anka Bergmann

Humboldt Universität zu Berlin

Komplizierte Grammatik, Samowar und Gogols Nase

sind das die Dinge, die im Russischunterricht „behandelt“ werden? Sprache, Landeskunde/ Kultur und Literatur gelten traditionell als Inhaltsbereiche des Fremdsprachenunterrichts. Die Thematisierung dieser Bereiche, ihre Gewichtung und wechselseitigen Bezüge sind wesentliche Elemente fremdsprachendidaktischer Konzeptualisierungen, die in der Geschichte des institutionalisierten Fremdsprachenunterrichts unterschiedliche Perspektiven fanden und auch für den gegenwärtigen Russischunterricht (neu) zu verhandeln sind. Unter den Vorzeichen der Kompetenzorientierung stehen effektive Wege zu angemessener Kommunikationsfähigkeit im Vordergrund, Priorität hat die situativ-kommunikative Anwendung sprachlicher Kenntnisse in kommunikativen Handlungen. Allerdings bedarf das Russische als eine flexionsreiche Sprache mit zusätzlichen „Komplikationen“ wie Akzentwechsel und Verbalaspekt sowie dem (traditionell im Hinblick auf das Griechische und Lateinische herausgehobenen) „Vorzug“ der freien Wortstellung erfahrungsgemäß im schulischen Lernen mehr der Bewusstmachung als etwa das Englische. Es geht folglich für den Russischunterricht um die Legitimation und den Platz von Sprachanalyse und –reflexion und damit letztlich um das Verständnis (fremd)sprachlicher Bildung auf der Basis von Sprachbewusstheit und reflektiertem Sprachenlernen.

Eine besondere Rolle für die Inhaltsbezogenheit des Fremdsprachenunterrichts spielt die Zielsetzung interkultureller Handlungskompetenz. Der Russischunterricht steht vor der Frage, wie über die Vermittlung sprachlicher Kenntnisse hinaus Kulturgebundenheit des eigenen wie des fremden Wahrnehmens, Denkens und Handelns sowie transkulturelle Konzepte Eingang in den Unterricht finden können; welche Kriterien eine didaktisch-methodisch begründete Auswahl von landeskundlichen Inhalten determinieren. Der Paradigmenwechsel zur Output-Orientierung hat aus fachdidaktischer Perspektive gerade in diesem Bereich inhaltlich-konzeptionelle Leerstellen erzeugt, die zu hinterfragen sind. Die Ausrichtung an Kompetenzen und Standards stellt zudem Literatur als Inhalt des Russischunterrichts in Frage. Sollen literarische Texte mehr als eine Service-Funktion für interkulturelles Lernen einnehmen, muss ihr spezifisches Potential für den angestrebten Kompetenzerwerb deutlich werden.

Eine Besonderheit des Russischunterrichts und enorme Herausforderung für die Lehrkräfte resultiert aus dem (regional unterschiedlich) hohen Anteil an Schüler_innen mit mutter- oder herkunftssprachlichen Vorkenntnissen dar. Angesichts curricularer Vorgaben und Prüfungsanforderungen, die auf einen Russisch-als-Fremdsprache-Unterricht ausgerichtet sind, und der daraus resultierenden Diskrepanz zu individuellen Motivationslagen der Schüler_innen, kommt der Frage nach relevanten Themen eine Schlüsselrolle zu.

Es wird in dem Beitrag in diesem Sinne um den Anteil des Faches Russisch zu einem Gesamtcurriculum sprachlicher Bildung gehen, und das beinhaltet natürlich auch einen (Rück)Blick auf die Methodik (Ost) und die Didaktik (West) des Russischunterrichts in den letzten nunmehr bald 70 Jahren.

sind das die Dinge, die im Russischunterricht „behandelt“ werden? Sprache, Landeskunde/ Kultur und Literatur gelten traditionell als Inhaltsbereiche des Fremdsprachenunterrichts. Die Thematisierung dieser Bereiche, ihre Gewichtung und wechselseitigen Bezüge sind wesentliche Elemente fremdsprachendidaktischer Konzeptualisierungen, die in der Geschichte des institutionalisierten Fremdsprachenunterrichts unterschiedliche Perspektiven fanden und auch für den gegenwärtigen Russischunterricht (neu) zu verhandeln sind. Unter den Vorzeichen der Kompetenzorientierung stehen effektive Wege zu angemessener Kommunikationsfähigkeit im Vordergrund, Priorität hat die situativ-kommunikative Anwendung sprachlicher Kenntnisse in kommunikativen Handlungen. Allerdings bedarf das Russische als eine flexionsreiche Sprache mit zusätzlichen „Komplikationen“ wie Akzentwechsel und Verbalaspekt sowie dem (traditionell im Hinblick auf das Griechische und Lateinische herausgehobenen) „Vorzug“ der freien Wortstellung erfahrungsgemäß im schulischen Lernen mehr der Bewusstmachung als etwa das Englische. Es geht folglich für den Russischunterricht um die Legitimation und den Platz von Sprachanalyse und –reflexion und damit letztlich um das Verständnis (fremd)sprachlicher Bildung auf der Basis von Sprachbewusstheit und reflektiertem Sprachenlernen.

Eine besondere Rolle für die Inhaltsbezogenheit des Fremdsprachenunterrichts spielt die Zielsetzung interkultureller Handlungskompetenz. Der Russischunterricht steht vor der Frage, wie über die Vermittlung sprachlicher Kenntnisse hinaus Kulturgebundenheit des eigenen wie des fremden Wahrnehmens, Denkens und Handelns sowie transkulturelle Konzepte Eingang in den Unterricht finden können; welche Kriterien eine didaktisch-methodisch begründete Auswahl von landeskundlichen Inhalten determinieren. Der Paradigmenwechsel zur Output-Orientierung hat aus fachdidaktischer Perspektive gerade in diesem Bereich inhaltlich-konzeptionelle Leerstellen erzeugt, die zu hinterfragen sind. Die Ausrichtung an Kompetenzen und Standards stellt zudem Literatur als Inhalt des Russischunterrichts in Frage. Sollen literarische Texte mehr als eine Service-Funktion für interkulturelles Lernen einnehmen, muss ihr spezifisches Potential für den angestrebten Kompetenzerwerb deutlich werden.

Eine Besonderheit des Russischunterrichts und enorme Herausforderung für die Lehrkräfte resultiert aus dem (regional unterschiedlich) hohen Anteil an Schüler_innen mit mutter- oder herkunftssprachlichen Vorkenntnissen dar. Angesichts curricularer Vorgaben und Prüfungsanforderungen, die auf einen Russisch-als-Fremdsprache-Unterricht ausgerichtet sind, und der daraus resultierenden Diskrepanz zu individuellen Motivationslagen der Schüler/innen, kommt der Frage nach relevanten Themen eine Schlüsselrolle zu.

Es wird in dem Beitrag in diesem Sinne um den Anteil des Faches Russisch zu einem Gesamtcurriculum sprachlicher Bildung gehen, und das beinhaltet natürlich auch einen (Rück)Blick auf die Methodik (Ost) und die Didaktik (West) des Russischunterrichts in den letzten nunmehr bald 70 Jahren.