Prof. Dr. Stefan Kipf

Humboldt Universität zu Berlin

 

 

Latein ist die drittstärkste Schulfremdsprache in Deutschland und beschäftigt sich durch Übersetzung und Interpretation lateinischer Texte aus Antike, Mittelalter und Neuzeit mit der Sprache und Kultur des antiken Rom und dem Fortleben des Lateinischen bis in die Neuzeit. Im Kanon der Schulfremdsprachenversteht sich der Lateinunterricht als die „Basissprache Europas“ und das „Schlüsselfach der europäischen Tradition“. Am Lateinischen als „Modell von Sprache“ soll der Lateinunterricht gezielt spezifische sprachliche Kompetenzen fördern (z.B. metasprachliche Reflexionsfähigkeit für Mutter- und Zweitsprachler, Lesekompetenz, reflexionsbasierte Mehrsprachigkeit). Er soll einen Zugang zur europäischen Kulturtradition (z.B. Literatur, Mythos, Geschichte, Kunst) eröffnen, das historische Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler stärken sowie europäische Identität fördern. Lateinische Texte bieten als Denkmodelle die Möglichkeit zur exemplarischen Erörterung von Grundfragen menschlicher Existenz.

 

Griechischunterricht beschäftigt sich durch Übersetzung und Interpretation altgriechischer Originaltexte (z. B. Homer, Platon und Sophokles) mit der Sprache und Kultur des antiken Griechenland. Im Zentrum steht die kritische Auseinandersetzung mit spezifischen Ursprungsprozessen der europäischen Kultur (z. B. Entstehung von Literatur, Wissenschaft und Philosophie). Anhand eines einzigartigen Reservoirs literarischer Texte werden die Schülerinnen und Schüler mit Grundproblemen und Bedingungen menschlichen Lebens konfrontiert. Typisch ist dabei die Beschäftigung mit philosophischen, gesellschaftlich-politischen und naturwissenschaftlichen Denkmodellen, so dass der Griechischunterricht die Rolle eines Integrationsfaches für Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaft übernehmen kann. Die Differenziertheit der griechischen Sprache entwickelt vertiefte muttersprachliche Kompetenz, bewusste Sprachreflexion und die Fähigkeit zum Umgang mit wissenschaftlicher Terminologie.