Prof. Dr. Daniel Reimann

Universität Duisburg-Essen

Italienisch – ein vielschichtig thematisches Schulfach

 

Literatur ab dem 13. Jahrhundert zu schülernahen Themen, die aufgrund der Sprachentwicklung bereits für fortgeschrittene Lernende im Original verständlich ist (anders als z.B. altfranzösische Texte), vom ´amor´ Dantes über religiöse Fragestellungen bis zum ´Zanni´ der Commedia dell´Arte, im Schüleraustausch erleb- und erlaufbares antikes Erbe in Architektur und Urbanistik, Zeugnisse der Frühen Neuzeit, die erkennen lassen, dass die Entwicklung des modernen Geisteslebens und der Naturwissenschaften ohne die Leistungen der italienischen Renaissance undenkbar wären, Immigration nach Europa entlang des längsten südlichen Küstenstreifens des Kontinents, eine ausgeprägte und in Deutschland populäre Pop-Rockszene seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Formel-1-Boliden und Fußball-Weltmeisterteams – nur einige der zahlreichen Inhalte und Gegenstände, die im Italienischunterricht thematisch werden können und die dieses Fach von anderen (Sprach-) Fächern nicht zuletzt auf der thematischen Ebene unterscheiden.

Gerade durch die Themenkonstitution definieren sich vordergründig ´kleine´ Schulfächer (laut Statistischem Bundesamt gab es 2009/2010 immerhin etwa 60.000 Italienisch-Lernende an allgemeinbildenden Schulen), in ihr begründet sich ihr spezifischer Bildungswert und ihre Singularität, mithin ihr motivationales Potential. Zugleich ist festzuhalten, dass die wissenschaftliche Didaktik des Italienischen eine verhältnismäßig junge und wenig entwickelte Disziplin ist. Insofern werden in dem auf das Italienische bezogenen Teilprojekt u.a. folgende Fragen untersucht: welche Themen werden von den Lehr- und Bildungsplänen der Länder vorgesehen? Welche Themen wurden von der wissenschaftlichen Italienischdidaktik entwickelt? Welche Inhalte der primären fachlichen Bezugswissenschaften (italianistische Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft) eignen sich weiterhin für eine thematische Adaption im Italienischunterricht? Wie verändert sich das Verhältnis von Zielen, Inhalten und Methoden, je nachdem, ob Italienisch 1., 2., 3. oder neu einsetzende spät beginnende Fremdsprache ist? Und nicht zuletzt – in einem Bereich, der zwischen Themen des Sprachunterrichts und der Entwicklung transkultureller Identitäten anzusiedeln ist: Welche spezifische Modellierung einer Mehrsprachigkeitsdidaktik kann sinnvoller Weise in den verschiedenen Ausbildungszügen schulischen Italienischunterrichts thematisch werden?

Sodann wird untersucht werden, wie im gegenwärtigen Italienischunterricht Themen anderer Fachbereiche des Projekts zum Tragen kommen: so werden etwa unter den Vorzeichen einer Aufwertung der Mündlichkeit, die sich im verstärkten Einsatz von Elementen szenischen Spiels im Fremdsprachenunterricht manifestiert, Aspekte des Bereichs „Ästhetik und Leiblichkeit“ virulent, insbesondere, wenn man bedenkt, dass das Italienische quantitativ mehr kultur(raum)spezifische Gesten verwendet als etwa das europäische Französisch oder Spanisch. Insofern sich Italienisch – anders als die anderen großen Schulfremdsprachen Englisch, Französisch und Spanisch – im Wesentlichen auf die Kultur eines Landes konzentriert, und diese für die Entwicklung Europas eine zentrale Rolle gespielt hat, können Aspekte des Bereichs „Kultur und Gesellschaft“ in besonderer Weise thematisch werden, die naturgeographische Vielfalt Italiens nicht zuletzt mit seinem aktiven Vulkanismus und die Geschichte der Naturwissenschaften erlauben Brückenschläge in den Bereich „Natur und Welt“ usf.