Prof. Dr. Christine Michler

Universität Bamberg

Das Französische - Ein Fach, bestimmt von zahlreichen Herausforderungen

Das Französische ist die einzige Schulsprache, zu deren bestmöglicher Förderung die Bundesrepublik juristisch verpflichtet ist (vgl. Deutsch-französischer Vertrag vom 22.1.1963). Als Schulfach hat es eine lange Tradition und ist neben dem Englischen die am stärksten repräsentierte lebende Fremdsprache im schulischen Fächerkanon. Diese Position wird allerdings durch die immer häufigere Hinwendung der Schüler zum Spanischen bedroht, so dass der Französischunterricht vor der Herausforderung steht, den Gewinn, den Schüler aus Französischkenntnissen ziehen können, hervorzuheben und zu veranschaulichen.

Zu nennen ist in diesem Zusammenhang der grundsätzliche Bildungswert des Französischen. Die Sprache, die lange Zeit die Sprache schlechthin der Gebildeten war, gilt als Trägerin von Aufklärung und Kultur. Französischsprachige Texte übten großen Einfluss auf die Geistesgeschichte und Weltliteratur, speziell die deutsche Literatur aus. Französischunterricht bezieht sich aber nicht nur auf die Kultur des frankophonen Raums. Die Ursachen für den gegenwärtigen politischen, ökonomischen und sozialen Einfluss Frankreichs und Deutschland in der EU werden transparent, wenn wesentliche Voraussetzungen der engen deutsch-französischen Zusammenarbeit in der EU, die historisch in der Versöhnung beider Staaten nach dem 2. Weltkrieg wurzelt, vermittelt werden. Das Thema der Frankophonie macht Schüler mit außereuropäischen Kulturräumen bekannt und hilft, inter- und transkulturelle Kompetenz zu entwickeln. Für die Zukunft der Schüler bedeutsam sind die Vorteile, die ihnen Französischkenntnisse für eine zumindest rezeptive romanische Mehrsprachigkeit bieten, für die das Französische anerkannte langue pont ist. Weiter ist der Französischunterricht bestimmt durch zahlreiche andere interessante Themengebiete wie Sport (z.B. Tour de France), Musik, Film, die ein hohes Potenzial für fächerübergreifende Unterrichtsphasen haben. Durch abwechslungsreiche methodische Verfahren, die die mündliche Sprachkompetenz stützen, kreative Schreibaufträge, handlungsorientierte und intermediale Aufgabenformen kann zusammen mit der Themenvielfalt der Ruf des Französischen als einem schweren Fach aufgebrochen werden.

Die inhaltliche angemessene und methodische ansprechende Gestaltung des schulischen Französischunterrichts wird an den Universitäten durch die Didaktik des Französischen vorbereitet. Als Teil der gesamten wissenschaftlichen Ausbildung der Studierenden soll sie dazu befähigen, das Lehren und Lernen des Französischen auf einer gesicherten theoretischen Basis fachkundig zu planen und zu organisieren. Da reflektiertes Unterrichten neben sprachlicher Kompetenz in der Fremdsprache fundierte fachwissenschaftliche Kenntnisse voraussetzt, ist die Didaktik des Französischen eng mit den Inhalten der Bezugswissenschaften Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft, Landes- bzw. Kulturwissenschaft des Französischen verbunden. Diese Inhalte werden unter dem Anwendungsaspekt analysiert und aufbereitet, so dass Unterricht auf dieser Basis erforscht und optimiert werden kann.

Untersuchungsfelder des auf das Französische bezogenen Teils des Gesamtprojekts sind demzufolge einmal die Kernthemen, die das Fach im schulischen Fächerkanon situieren und legitimieren, und die Möglichkeiten, Inhalte der fachlichen Bezugswissenschaften für den Französischunterricht angemessen an die jeweilige Altersstufe der Schüler methodisch zu adaptieren.