Prof. Dr. Mirka Dickel

Universität Jena

 

 

Wunderbare Geographie - Zum Verhältnis von Begriff und Sinnlichkeit

 

Bidungsrelevante Themen werden nicht verordnet oder vorgefunden. Sie entstehen vielmehr erst in der Auseinandersetzung zwischen dem Schüler und der Welt. Damit dies gelingen kann, sollen - so der geographiedidaktische Common Sense - Einstiegsimpulse an die Lebenswirklichkeit von Schülerinnen und Schüler anknüpfen.  Die Forderung nach einer Anschlussfähigkeit macht jedoch nur so lange Sinn,  solange Unterricht allein aus einer analytisch-rationalen Logik heraus entworfen und ein lineares Ordnungsmuster als Grundierung des Lernprozesses angenommen wird. Allerdings ist der Mensch kein ausschließlich rationales Wesen, auch wenn die Bedeutung seiner sinnlich-leiblichen Existenz für die unterrichtlichen Themen-, Problem- und Fragestellungen bislang selten konsequent berücksichtigt wird. Das mag daran liegen, dass sich die sinnlich-leibliche Dimension als das Unverfügbare jedes Lernprozesses unserem kalkulierenden Zugriff und unserer Steuerung entzieht. Sobald man jedoch die "Tücke des Subjekts" (Zizek), also seine Doppeldeutigkeit in den Blick nimmt, die aus der existentiellen Situation resultiert, in einer konflikthaften Beziehung von Selbstgebung und Selbstentzug (Meyer-Drawe) zu existieren, wird es notwendig erneut über die Bedeutung der Sinnlichkeit für die (Er-)Öffnung des Lernprozesses nachzudenken. Sodann müsste geklärt werden, in welchem Verhältnis Begriff und Sinnlichkeit zueinander stehen. In der Auseinandersetzung mit Kategorien des Eigenen und Fremden, der Grenze, des Wunder(n)s und des Risses, wird dafür plädiert, dass geographisches Lernen seinen Ausgangspunkt in etwas hat, das uns vom Nirgendwo her zukommt. Im Zuge des Artikels wird eine geographiedidaktische Positon entwickelt, von der aus dafür argumentiert wird, dass geographische Bildung immer unvorhersehbar, allerdings nicht beliebig ist.